SYLVENSTEIN Rechtsanwälte | boehm
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Author:boehm

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Reservierungsvereinbarung mit Bearbeitungsgebühr / Reservierungsgebühr

Immobilien werden als Kapitalanlage immer beliebter, insbesondere sichern sich zahlreiche Personen den Vorrang auf Eigentumswohnungen oder Einfamilienhäuser durch eine sog. Reservierungsvereinbarung. Typische Formulieren versprechen, dass der Immobilienmakler bzw -vermittler sich darum kümmert, dass die betreffende Immobilie nicht anderweitig angeboten wird und bis zu einer bestimmten Frist für den Kaufinteressenten reserviert bleibt. In vielen dieser Reservierungsvereinbarungen ist hierfür im Gegenzug eine Entgeltregelung über eine Bearbeitungsgebühr oder Reservierungsgebühr enthalten. Diese Regelung stellt in den meisten Fällen eine Allgemeine Geschäftsbedingung dar und führt häufig zu einer Benachteiligung der Immobilieninteressenten. Insbesondere, soweit die Parteien die Höhe und die Zahlung einer entsprechenden Gebühr nicht individuell verhandelt haben. Grundsätzlich findet bei den entsprechenden Formularen eine Verrechnung dieser Bearbeitungsgebühr bzw. Reservierungsgebühr auf die Makler-/Vermittlerprosivion statt.

Bei Rücktritt von der Kaufabsicht ist jedoch geregelt, dass der Anspruch auf Erstattung der Bearbeitungsgebühr bzw. Reservierungsgebühr verfällt. Genau in diesem Punkt werden zahlreiche Immobilieninteressenten um Ihr Geld gebracht. Zahlen die Immobilienkäufer die Bearbeitungsgebühr bzw. die Reservierungsgebühr und verwerfen später doch ihre Kaufabsicht, scheitern viele im Nachgang bei der Rückforderung der gezahlten Bearbeitungsgebühr gegen den Immobilienmakler bzw. -vermittler.

Gestaltung der Vereinbarung entscheidend. Bearbeitungsgebühr meist unzulässiges erfolgsabhängiges Maklerhonorar.

SYLVENSTEIN Rechtsanwälte betreut derzeit zahlreiche Mandanten bei gleichgelagerten Fällen. Nach unserer Auffassung ist eine Klausel über eine Bearbeitungsgebühr nur gültig, wenn das Formular so gestaltet ist, dass der Käufer ausdrücklich bestätigt, dass er sich zu einer Zahlung verpflichtet. Weiterhin muss die Bearbeitungsgebühr bzw.  Reservierungsgebühr ausdrücklich zwischen den Parteien individuell ausgehandelt werden. Weiterhin muss die Klausel mittels einer entsprechenden eindeutigen Formulierung gekennzeichnet bzw. optisch deutlich hervorgehoben sein sein. Hier spielen die Regeln des AGB-Rechts eine Rolle. Denn häufig werden die Kaufinteressenten der Immobilie bei den Vertragsgestaltung unangemessen benachteiligt.

Ansprüche von Immobilienmaklern bzw. Immobilienvermittlern sorgfältig prüfen

SYLVENSTEIN Rechtsanwälte rät in diesem Zusammenhang die geltend gemachten Ansprüche sorgfältig zu prüfen. Immobilieninteressenten können diese Gebühr gerne zahlen, sollten aber bei Rücktritt von der Kaufabsicht diese Bearbeitungsgebühr zurückfordern. Jedoch liegt jeder Fall anders und sollte von einem unserer spezialisierten Anwälte sorgfältig geprüft werden, um unangenehme Folgen zu vermeiden bzw. diesen rechtzeitig entgegen zu treten. Informieren Sie sich weiter zum Thema und erhalten über einen kostenlosen Schnellcheck eine Ersteinschätzung der Chancen gegen die Zahlung einer Bearbeitungsgebühr.

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Gelbes Branchenbuch: Kostenfalle für Gewerbetreibende

In den letzten Monaten scheint die Firma GBB Ltd. (Trust Company Complex, Ajeltake Rd, Ajeltake Island, Majura, Marshall Islands, MH 96960) vermehrt Vertragsschlüsse im Hinblick auf einen sog. “Premium Business Eintrag” auf der Website Gelbes Branchenbuch mit zahlreichen Gewerbetreibenden zu behaupten. Die Seite Gelbes Branchenbuch wirbt auf ihren Anschreiben mit dem Wortlaut “Europas umfangreichstes Onlinebranchenbuch für Deutschland, Österreich und die Schweiz”. Gewerbetreibende erhalten ein Formular, welches aufgrund seiner äußeren Gestaltung eine starke Ähnlichkeit zu den bekannten Gelben Seiten als Produkt der Deutsche Telekom Medien GmbH erweckt. Die Firma GBB Ltd. versendet nach einem ersten Anschreiben auch weitere sog. “Erinnerungen” und fordert zu einer Eintragung auf.

Bei Unterzeichnung eines dieser Formulare übersehen die Gewerbetreibenden kleingedruckte Hinweise in einer Fußnote und schließen in der Folge – so behauptet GBB Ltd. – einen kostenpflichtigen Vertrag über einen “Premium Business Eintrag” auf der Seite Gelbes Branchenbuch mit einem Vertragspreis in Höhe von EUR 780,00 netto pro Jahr (monatlich EUR 65,00 netto) und einer Mindestvertragslaufzeit von drei Jahren ab. Insgesamt beläuft sich die Forderung somit auf EUR 2340,00 netto. Die Laufzeit verlängert sich nach Ablauf der Mindestvertragslaufzeit jährlich um ein weiteres Jahr, soweit der Gewerbetreibende nicht gegenüber Gelbes Branchenbuch kündigt. Zahlen die Betroffenen den Vertragspreis nicht, versucht GBB Ltd. die Forderung einzutreiben und tritt diese notfalls an ein Inkassobüro ab; dieses wiederum versucht, ein Vielfaches der Hauptforderung von den Geschädigten zu erlangen.

Gestaltung des Formulares entscheidend. Anfechtung des Vertrags wegen Irrtums möglich.

SYLVENSTEIN Rechtsanwälte hat in der Vergangenheit Mandanten in diesen und ähnliche gelagerten Fällen vertreten und weist auf Folgendes hin: Ein Vertragsschluss kommt in einem solchen Fall nur zustande, wenn das Formular so gestaltet ist, dass der Betroffene ausdrücklich bestätigt, dass er sich zu einer Zahlung verpflichtet. Dazu muss das Formular u.a. gut lesbar und mit den Worten “Zahlungspflichtige Bestellung” oder mit einer entsprechenden eindeutigen Formulierung gekennzeichnet bzw. optisch deutlich hervorgehoben sein sein. In diesem Zusammenhang spielen die Preisangabenverordnung und auch allgemeine Regeln des AGB-Rechts eine Rolle. Unabhängig davon kommt stets eine Anfechtung des vermeintlichen Vertrags wegen Irrtums in Betracht. Dies ist immer dann der Fall, wenn der Betroffene sich über den rechtlichen Bedeutungsgehalt seiner Erklärung nicht im Klaren war.

Ansprüche von GBB Ltd. bzw. Gelbes Branchenbuch sorgfältig prüfen

SYLVENSTEIN Rechtsanwälte rät in diesem Zusammenhang die geltend gemachten Ansprüche sorgfältig zu prüfen und nicht unüberlegt sogleich zu zahlen. Jedoch liegt jeder Fall anders und sollte von einem unserer spezialisierten Anwälte sorgfältig geprüft werden, um unangenehme Folgen zu vermeiden bzw. diesen rechtzeitig entgegen zu treten (Stichwort: Schufa-Eintrag!). Informieren Sie sich weiter zum Thema und erhalten über einen kostenlosen Schnellcheck eine Ersteinschätzung der Chancen für ihren Fall gegen Gelbes Branchenbuch.

 

Widerrufsjoker: Kostenübernahme durch die Rechtsschutzversicherung?

Momentan widerrufen viele Verbraucher ihre Darlehensverträge für Immobilienfinanzierungen mithilfe des sog. Widerrufsjokers. Durch diesen besteht die Möglichkeit, dass Verbraucher aufgrund einer von der Bank erteilten fehlerhaften Widerrufsbelehrung auch Jahre nach Vertragsabschluss noch ihren Vertrag widerrufen können. Wegen der großen finanziellen Risiken für die Banken benötigen Verbraucher für die Durchsetzung ihrer Rechte in den meisten Fällen einen Anwalt. Praktisch ist es somit, wenn eine Rechtsschutzversicherung die anwaltlichen Kosten und das Prozessrisiko für die Durchsetzung übernimmt.

Ausschlusskriterien: Neubau und Vermietung

Ob eine Rechtsschutzversicherung die Kosten übernimmt, hängt von den jeweils geltenden Allgemeinen Rechtsschutzbedingungen (ARB) ab. Bei einer bereits bestehenden Rechtsschutzversicherung ist eine Prüfung im Einzelfall anhand der anzuwendenden ARB notwendig, um eine abschließende Einschätzung vornehmen zu können. Hierbei gibt es wichtige Ausschlusskriterien für die Übernahme, welcher sich die Verbraucher bewusst sein müssen.

Besonders maßgeblich ist der sog. Baurisikoausschluss: Die finanzierte Immobilie darf kein Neubau sein, sondern es muss sich um eine Bestandsimmobilie handeln. Als Neubau gelten hierbei auch Immobilien, welche von einem Bauträger erworben wurden. Auch der Widerruf einer späteren Umschuldung wird nicht von der Rechtsschutzversicherung übernommen, soweit das ursprüngliche Darlehen der Finanzierung eines Neubaus diente.

Darüber hinaus muss die finanzierte Immobilie selbst bewohnt werden. Die Vermietung der Immobilie stellt einen weiteres gewichtiges Ausschlusskriterium dar. Eine Überprüfung erfolgt anhand der Meldeadresse. Bereits eine andere Meldeadresse kann zu Schwierigkeiten bei der Übernahme durch die Rechtsschutzversicherung führen.

Schadensfall für Übernahme notwendig

Damit die Rechtsschutzversicherung die Kosten für die Ausübung des Widerrufsjokers übernimmt, muss ein sog. Schadensfall vorliegen. Dieser ist eingetreten, wenn die Bank sich den Widerruf des Darlehens ablehnt. Ein Schadensfall ist regelmäßig nicht bereits der Abschluss des Darlehensvertrages.

Somit muss die Rechtsschutzversicherung nicht bereits beim Kauf der Immobilie oder dem Abschluss des Darlehensvertrages vorgelegen haben. Es steht dem Verbraucher somit auch heute noch offen eine Rechtsschutzversicherung abzuschließen, wenn ein Widerruf des Darlehensvertrages geplant ist. Hierzu ist zu beachten, dass es verschiedene Arten von Tarifen gibt und insbesondere eine Übernahme für Vertragsrecht eingeschlossen ist. Es gibt Tarife mit Wartezeit (in der Regel drei Monate) und solche ohne Wartezeit.

Weiterführende Informationen

Informieren Sie sich weiter zum Thema Widerrufsjoker, Vorfälligkeitsentschädigung, etc. im Rahmen unserer FAQ und der Rubrik News auf unserer Homepage. Über einen kostenlosen Schnellcheck erhalten Sie zudem eine Ersteinschätzung der Chancen für einen Widerruf Ihres Darlehens.

Widerrufsjoker: Neue Vorgaben des BGH zur Rückabwicklung

Bei einer Vielzahl aller zwischen den Jahren 2002 bis 2010 geschlossenen Darlehensverträgen haben die Banken fehlerhafte Widerrufsbelehrungen verwendet. Viele Verbraucher haben deshalb in den letzten Monaten von ihrem Widerrufsrecht bei Immobilienkrediten Gebrauch gemacht und die ggfs. noch ausstehende Darlehenssumme zu historisch günstigen Zinsbedingungen refinanziert. Haben sich Kreditnehmer für die vorzeitige Ablösung ihres Darlehens entschieden und in der Folge eine Vorfälligkeitsentschädigung gezahlt, können sie bei fehlerhafter Widerrufsbelehrung auch diese von der Bank zurück verlangen.

Rückabwicklung bislang strittig

Neben der Zinsersparnis durch den Ausstieg aus den Darlehensverträgen profitieren die Verbraucher nach dem Widerruf von der Rückabwicklung des Darlehensvertrages. Bisher war sehr umstritten, wie die Rückabwicklung genau vorzunehmen war. Nun hat der Bundesgerichtshof (BGH) mit Beschluss vom 22.09.2015 (BGH, Beschluss v. 22.9.2015 – Az. XI ZR 116/15) zu der Rückabwicklung klar Stellung genommen. In diesem Beschluss bestätigt der BGH das Senatsurteil vom 10.03.2009 (BGH, Urteil v. 10.03.2009 – Az. XI ZR 33/08), welches eindeutig die Herausgabe bereits erbrachter Zins- und Tilgungsleistungen – die sogenannte Nutzungsentschädigung – durch den Darlehensgeber an den Darlehensnehmer regelt.

Nutzungsersatz regelmäßig 5 Prozentpunkte über Basiszinssatz

Bei der Rückabwicklung des Darlehensvertrages steht den Verbrauchern einerseits die Erstattung aller Ratenzahlungen zu. Daneben muss die Bank dem Verbraucher herausgeben, was sie mit dem Geld der Darlehensnehmer erwirtschaftet hat. Der BGH stellt in seinem Beschluss klar, dass die Bank hierfür Zinsen in Höhe von fünf Prozentpunkten über dem Basiszinssatz zu zahlen hat, solange die Bank nichts anderes belegen kann. Um einen niedrigeren Gewinn zu belegen, muss die Bank alle relevanten Kalkulationen und Verträge vorlegen. Im Gegenzug steht der Bank die Rückzahlung der Kreditsumme sowie Zinsen auf die jeweilige Restschuld zu. Es ist zu beachten, dass sich für tilgungsfreie Darlehen, wie sie beispielsweise im Rahmen von Bausparsofortfinanzierungen oder auch kombiniert mit Geldanlageprodukten wie Kapitallebensversicherungen vorkommen, durch die neuen Vorgaben des BGH nichts ändert.

Banken und Sparkassen unter Druck

Die Banken und Sparkassen geraten durch die Feststellungen des BGH noch stärker unter Druck. Wieviel Ertrag die Banken durch die Ratenzahlungen der Verbraucher tatsächlich erwirtschaften, ist aktuell nicht offensichtlich. Die Beweislast liegt nun bei den Banken. Allerdings werden hierdurch auch die Gerichtsverfahren komplizierter, und das Prozessrisiko steigt.

Weiterführende Informationen zum Widerrufsjoker

Informieren Sie sich weiter zum Thema Widerrufsjoker, Vorfälligkeitsentschädigung, etc. im Rahmen unserer FAQ und der Rubrik News auf unserer Homepage. Über einen kostenlosen Schnellcheck erhalten Sie zudem eine Ersteinschätzung der Chancen für einen Widerruf Ihres Darlehens.

Widerrufsjoker: Ankreuzmodell (sog. Checkbox Modell) der Sparkassen unwirksam?

Der Bankensenat des Oberlandesgerichts München hat mit Urteil vom 21.05.2015 (OLG München, Urt. v. 21.05.2015 – Az. 17 U 334/15) entschieden, dass bestimmte Widerrufsbelehrungen der Sparkassen bzw. Kreissparkassen, welche u.a. das Ankreuzmodell (auch sog. Checkbox Modell oder Baukasten-System) verwendet haben, nicht ordnungsgemäß waren. Eine nicht ordnungsgemäße Widerrufsbelehrung benachteiligt den Verbraucher und dieser kann auch nach Ablauf der gewöhnlichen Widerrufsfrist von 14 Tagen sein Recht zum Widerruf ausüben (sog. Widerrufsjoker), weil die Widerrufsfrist nicht zu laufen beginnt.

Betroffen sind insbesondere Darlehensverträge und Immobiliendarlehensverträge der Sparkassen bzw. Kreissparkassen aus den Jahren 2011 bis 2013. Das betreffende Muster mit dem Ankreuzmodell bzw. Checkbox-Modell wurde von den Sparkassen Mitte des Jahres 2013 aufgegeben.

Checkbox Modell der Sparkassen und Kreissparkassen

In der Entscheidung des OLG München ging es u.a. um formularmäßige Widerrufsbelehrungen, welche insbesondere in den Jahren 2011 und 2012 bei den Sparkassen bzw. Kreissparkassen Verwendung fanden. Das Besondere an diesen Widerrufsbelehrungen der Sparkassen bzw. Kreissparkassen war, dass diese für verschiedene vertragliche Konstellationen, wie sie bei einem Darlehensvertrag vorkommen können, verschiedene Belehrungsinhalte vorsahen. Ausgewählt wurden die unterschiedlichen Belehrungsvarianten durch ein Ankreuzmodell (sog. Checkboxen-Modell oder Baukastensystem), in welchem die im konkreten Fall einschlägigen Formulartextteile durch ein Kreuz markiert wurden. Diese Gestaltung der Sparkassen bzw. Kreissparkassen hatte einen gesteigerten Umfang der Widerrufsbelehrung zur Folge. Somit musste der Verbraucher als Darlehensnehmer jeweils anhand der Ankreuzung feststellen, welcher Gestaltungshinweis für seinen aktuellen Fall einschlägig war, und sah sich nicht lediglich einer speziellen Widerrufsbelehrung gegenübergestellt.

Kein Richtungswechsel in der Rechtsprechung zum Ankreuzmodell

Bei genauerer Betrachtung des Urteils des OLG München vom 21.05.2015 wird deutlich, dass das Gericht – anders als dies bisweilen dargestellt wird – Verbrauchern keinen Freibrief für den Widerruf von Darlehen erteilt hat, deren Widerrufsbelehrung nach dem Checkbox-Modell erfolgte. Es wäre also verfrüht, mit Blick auf das vor einem Jahr ergangene bankenfreundliche Urteil des OLG Stuttgart von einem Richtungswechsel der Rechtsprechung für die Checkbox-Fälle zu sprechen.

Mit Urteil vom 24.04.2014 hatte der Bankensenat des OLG Stuttgart (OLG Stuttgart, Urt. V. 24.04.2014 – Az. 2 U 98/13, Volltext) das Baukastensystem (Ankreuzmodell) der Sparkassen bzw. Kreissparkassen für unbedenklich gehalten. Der damals vorgebrachten Kritik an der Widerrufsbelehrung der Sparkassen bzw. Kreissparkassen ist das OLG Stuttgart entgegen der Vorinstanz des Landgerichts Ulm (LG Ulm, Urt. v. 17.07.2013 – Az. 10 O 33/13 –, dem folgend auch LG Bonn und LG Münster) nicht nähergetreten. Die erkennenden Richter des OLG Stuttgart waren der Meinung, dass der durchschnittliche Verbraucher alltäglich mit Formularen konfrontiert werde, bei denen anschaulich Textteile oder Klauseln durch Kasten zum Ankreuzen markiert werden. Aus diesem Grund könne dies im Fall einer Widerrufsbelehrung nicht zu einer Benachteiligung des Verbrauchers führen, sofern der Verbraucher durch die Markierungen erkennen könne, welche Teile der Widerrufsbelehrung für ihn relevant sind und welche nicht.

Das Urteil des OLG München vom 21.05.2015 war nun bei seiner Entscheidung bereits der Ansicht, dass die Widerrufsbelehrungen in damaliger Form bereits nicht dem optischen Deutlichkeitsgebot entsprachen, weil die Widerrufsbelehrung nicht in hervorgehobener und deutlicher Form gestaltet war. Das Druckbild der vorangegangenen Elemente für die Ziffern 12 und 13 unterschied sich im vorliegenden Fall nicht zu Ziffer 14 (der Widerrufsbelehrung). Alle drei Ziffern waren mit einem einzigen fettgedruckten Rahmen umrandet, sodass die Widerrufsbelehrung rein optisch auch weitere Informationen (Ziffern 12 und 13) enthielt. Deswegen konnte sich das OLG München sparen, die Frage nach der Rechtmäßigkeit seitenlanger Belehrungen mit Ankreuzoptionen zu beantworten.

Zu dem Checkbox-Modell führte das OLG München deswegen lediglich aus: „Nach Ansicht des Senates kann daher dahinstehen, ob die Ankreuzmöglichkeiten im Rahmen der Ziffer 14 zusätzlich zur Verunklarung der Belehrung über das Widerrufsrecht der Kläger beitrugen oder nicht.“

Chancen für den Verbraucher bei Belehrungen mit Checkbox-Modell

Insbesondere Verbraucher aus dem Raum München, die Darlehensverträge oder Immobiliendarlehensverträge bei den Sparkassen bzw. Kreissparkassen abgeschlossen haben, sollten aus diesem Grund einen möglichen Widerruf ihres Darlehensvertrags prüfen lassen. Obwohl die Zinsen zuletzt wieder leicht gestiegen sind, befindet sich das Zinsniveau noch auf einem historischen Tiefpunkt. Es lassen sich somit in vielen Fällen erhebliche Ersparnisse durch eine Überprüfung der Darlehensverträge erzielen. Das kann gerade auch für Fälle mit Belehrungen nach dem Ankreuzmodell gelten. In der Entscheidung des OLG München wurde darüber hinaus auch der Anspruch auf Erstattung einer bereits gezahlten Vorfälligkeitsentschädigung (VFE) aus einem vollständig abgewickelten Darlehensverhältnis zugunsten der Verbraucher bestätigt.

Weiterführende Informationen zum Widerrufsjoker

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Widerrufsjoker: Lohnt sich ein Ombudsmannverfahren?

Momentan widerrufen zahlreiche Verbraucher ihren Darlehensvertrag unter Hinweis auf eine fehlerhafte Widerrufsbelehrung mittels des sog. Widerrufsjokers. Dabei scheuen die meisten Verbraucher jedoch den Gang vor Gericht wegen des Kostenrisikos und der unter Umständen langen Verfahrensdauer im Prozess.

Eine weitere Möglichkeit, den Streit über die fehlerhafte Widerrufsbelehrung mit der Bank beizulegen, bietet ein Schlichtungsverfahren durch einen sog. Ombudsmann. In diesem Verfahren sollen Rechtsstreitigkeiten zwischen Verbrauchern und Unternehmen außerhalb des Rechtsweges einvernehmlich geklärt werden sollen. Ombudsmänner gibt es in Deutschland für mehrere Branchen, u.a. auch für den Bereich der Banken. Als Voraussetzung für das Ombudsmannverfahren darf die Streitsache vorher nicht rechtshängig gewesen sein oder anhängig gemacht werden.

Widerrufsjoker: Wie läuft das Ombudsmannverfahren ab?

Das Ombudsmannverfahren verläuft grundsätzlich wie ein schriftliches Verfahren vor Gericht: Es ist eine zulässige Beschwerdeschrift einzureichen, die die Gegenseite zur Stellungnahme binnen Monatsfrist erhält. Eine Beweisaufnahme findet dabei nicht statt, es sei denn der Beweis kann durch die Vorlage von Urkunden angetreten werden. Eine große Besonderheit ist, dass das Verfahren für den Verbraucher kostenfrei ist, bis auf etwaige eigene Anwaltskosten. Meist ist der Spruch für die Bank bindend: Beim Bundesverband deutscher Banken ist eine Entscheidung zulasten privater Banken bis zu einem Betrag von EUR 10.000 einseitig bindend, darüber hinaus lediglich eine Empfehlung. Für den Verbraucher besteht bei Ablehnung durch den Ombudsmann weiterhin die Möglichkeit der Klage. Die Verjährung ist während des Ombudsmannverfahrens gehemmt.

 

Ombudsmannverfahren: Niedrige Spruchquote zugunsten der Verbraucher

Grundsätzlich kann jeder zum Ombudsmann berufen werden, soweit er die Befähigung zum Richteramt nachweist. Nach der Ernennung zum Ombudsmann ist eine fachliche Fortbildung nicht festgeschrieben. Meist ist die Amtsdauer mindestens drei Jahre, wobei eine Wiederwahloption ausdrücklich vorgesehen ist. Diese wird von den meisten Ombudsmännern angestrebt.

Der Ombudsmann wird ausschließlich von dem wirtschaftlichen Interessenverband finanziert, dem der Beschwerdegegner angehört. Aufgrund der Finanzierung der Banken stehen die Chancen für den Verbraucher somit nicht besonders gut für ein positives Urteil seitens des Ombudsmannes. Dies belegen auch die statistischen Aussichten für den Verbraucher in bankrechtlichen Angelegenheiten. Lediglich in 16 % der Fälle aus dem Jahr 2013 wurde ein Schlichterspruch zugunsten des Verbrauchers entschieden. Dabei lehnten die Verbraucher mit einer Quote von 91 % die Vorschläge der Ombudsmänner ab, die Banken akzeptierten 71 % der Vorschläge. Damit weist die Quote der Schlichtungsstelle der öffentlichen Banken eine extrem niedrige Akzeptanzquote auf.

 

Weiterführende Informationen

Informieren Sie sich weiter zum Thema Widerrufsjoker, Vorfälligkeitsentschädigung, etc. im Rahmen unserer FAQ und der Rubrik News auf unserer Homepage. Über eine kostenlose Kurzanfrage erhalten Sie von uns zudem eine Ersteinschätzung der Chancen für einen Widerruf Ihres Darlehens.

Langer Atem für den Widerrufsjoker

Zurückweisung trotz fehlerhafter Belehrung beim Widerrufsjoker

Durch das große Medienecho in zahlreichen Printmedien (z.B. Handelsblatt, FAZ, Finanztest und Focus) sind viele Verbraucher wachgerüttelt und widerrufen ihre Darlehensverträge wegen ihrer fehlerhaften Belehrung mithilfe des sog. Widerrufsjoker. Doch wegen der großen finanziellen Risiken haben die Banken inzwischen zahlreiche Taktiken entwickelt, um die Widerrufe der Verbraucher zurückzuweisen. Diese Zurückweisung geschieht aber häufig zu Unrecht.

Durch die große Anzahl an Fällen sind die Banken überlastet und der Widerruf gelingt in den meisten Fällen nur noch mit anwaltlicher Hilfe.

Langer Atem für den Widerrufsjoker nötig

Doch Verbraucher benötigen bei Einsatz des sog. Widerrufsjoker momentan einen langen Atem, auch bei Einschaltung eines Anwalts. Für zahlreiche Banken bedeutet der momentane Widerruf zahlreicher Darlehensverträge, insbesondere im Bereich der Immobilienfinanzierung, eine große Belastung. Viele Banken versuchen die Anfragen der Verbraucher auszusitzen, um den schlafenden Riesen, der in ihren Bilanzen schlummert, möglichst nicht zu wecken. Innerhalb der Jahre 2002 bis 2010 wurden über 10 Millionen Immobiliendarlehensverträge abgeschlossen, welche durch die Rechtsprechung des Bundesgerichtshofes (BGH) zugunsten der Verbraucher größtenteils widerrufen werden können.

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