SYLVENSTEIN Rechtsanwälte | Rücküberweisung Trojaner
Beim Online Banking sind sogenannte Rücküberweisung Trojaner eine neue Masche der digitalen Panzerknacker. Bankkunden,die der Anweisung des Trojaners folgen und eine vermeintliche Gutschrift selbst zurückbuchen, haben meist keine Ansprüche gegen die Bank. Denn der Bankkunde selbst hat den Zahlungsvorgang autorisiert. Eine Anfechtung wegen Täuschung scheidet aus, da die Täuschung durch einen unbekannten Dritten verübt wurde.
Rücküberweisung Tojaner, Haftung, Bank, Geld, Klage, Täuschung, Online Banking
22404
single,single-post,postid-22404,single-format-standard,ajax_fade,page_not_loaded,,select-theme-ver-2.4.1,wpb-js-composer js-comp-ver-4.7.4,vc_responsive
 

Rücküberweisung Trojaner – Wer zahlt?

SchlossTastatur-1100x1466_sw

Rücküberweisung Trojaner – Wer zahlt?

Die „digitalen Panzerknacker“ denken sich immer neue Tricks aus, um beim Online-Banking Geld zu erbeuten. Eine neue Masche sind Trojaner, die den Bankkunden zu einer Rücküberweisung veranlassen (RücküberweisungTrojaner).

Was sind Rücküberweisungs-Trojaner?

Der typische Fall stellt sich wie folgt dar: Bankkunde Müller hat bei der Commerzbank ein Girokonto und nutzt regelmäßig das Online-Banking. Eines Tages gibt Herr Müller wie gewohnt seine PIN und seine Kontonummer ein, um eine Online-Überweisung zu tätigen. Es öffnet sich ein Fenster auf seinem PC-Bildschirm und Herr Müller wird mitgeteilt, dass auf seinem Konto eine unberechtigte Gutschrift eingegangen ist. Diese solle er zurücküberweisen. Das perfide ist: Herr Müller sieht auch in seiner Online Buchungsübersicht, dass die vermeintliche Gutschrift tatsächlich auf seinem Konto ist. Weiter wird Herr Müller in der Nachricht mitgeteilt, dass sein Konto gesperrt werde, wenn er den Betrag nicht sofort „zurücküberweise“. Herr Müller führt die Rück-Überweisung unter Eingabe der TAN durch. Sein Konto ist wieder freigeschaltet. Jedoch ist die angebliche Gutschrift aus seinen Umsätzen verschwunden. Das Geld ist weg.

Schadensersatzansprüche für Bankkunde bei Rücküberweisung-Trojaner?

In derartigen Betrugsfällen stellt sich immer die Frage, ob der Kunde sein Geld zurückbekommt. Als realer Anspruchsgegner bleibt meist nur die Bank, da das von Herrn Müller überwiesene Geld auf Auslandskonten versickert ist und die Drahtzieher der Betrugsmasche nur schwer ermittelt werden können.

Der Bankkunde muss seine Bank um Stornierung der Buchung bitten. Hier sind die gesetzlichen Regelungen aus dem Bürgerlichen Gesetzbuch (BGB) zum Zahlungsdienstevertrag maßgeblich. In der gerichtlichen Praxis haben Bankkunden ihren Anspruch auf Stornierung meist auf § 675 u BGB gestützt. Jedoch erfordert der Anspruch, dass der Zahlungsvorgang durch den Kunden „nicht autorisiert“ worden ist. An dieser Voraussetzung sind die meisten Stornierungsansprüche des Kunden gegen die Bank gescheitert. Denn beim Rücküberweisungs-Trojaner ist es ja gerade der Kunde selbst, der arglos die vermeintliche „Fehlbuchung“ zu seinen Gunsten zurücküberweist und damit den Zahlungsvorgang autorisiert.

In den Zivilverfahren wendeten die Bankkunden noch ein, dass Sie getäuscht wurden und daher die Überweisung anfechten könnten (§ 123 Absatz 1 BGB). Jedoch wiesen die Gerichte diesen Anspruch ab, da die Täuschung ja nicht durch die Bank selbst, sondern von einem unbekannten Dritten verübt worden ist (§ 123 Absatz 2 BGB). Diese Täuschung sei der Bank nicht zurechenbar.

Im Ergebnis zeigt die Praxis, dass der Kunde den Schaden durch Rücküberweisungstrojaner meist selber tragen muss. Viele Banken zeigen sich kulant und regulieren den Schaden teilweise. Jedoch sind die Banken nach der derzeitigen Gesetzeslage nicht dazu verpflichtet. Wichtig ist aber, dass aber stets der Einzelfall zu beachten ist und eine Prüfung des Sachverhalts notwendig ist.

Was ist in der Praxis zu beachten?

In der Praxis ist im Online Banking die Grundregel zu beachten, dass man seine Computersoftware stets aktualisiert. Denn durch veraltete Software schleichen sich derartige Trojaner um so schneller ins Computersystem ein. Beim Zahllvorgang an sich ist stets der gesunde Menschenverstand einzuschalten. Eine seriöse Bank würde niemals ein Konto sperren, soweit nicht vorher eine Fehlbuchung durch den Kunden selbst rückgängig gemacht wird. Denn Fehlbuchungen können die Banken selbst stornieren.

Wenn Sie Fragen zu einem deratigen Fall haben, können Sie jederzeit an unseren Experten für Bankrecht (Dr. Hermann Bröcker) wenden.