SYLVENSTEIN Rechtsanwälte | KWG
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robo advice fintech

Robo Advice und Anlegerschutz

Was ist Robo-Advice?

Robo-Advice ist der Schlagwortbegriff für eine automatisierte Finanzanlageberatung. Dabei erhalten Verbraucher Finanzberatung mit Hilfe von Softwareprogrammen. Diese werden meist von sogenannten FinTech Unternehmen entwickelt und angeboten. Menschliche Intervention soll weitestgehend nicht stattfinden. Die Anbieter in der Robo-Advice Branche setzen stattdessen auf computerbasierte Algorithmen, um die digitale Vermögensverwaltung zu optimieren.

Zertifizierte Anlageprodukte (zum Beispiel ETFs) werden automatisch gekauft und verkauft. Das Portfolio wird je nach Marktlage nach dem festgelegten Algorithmus umgeschichtet – ohne die Entscheidung durch einen Menschen.

Die Nutzung einer Robo Advice Plattform erfolgt in drei Schritten:

  1. Der Anleger wird durch einen Fragekatalog geführt. Hier werden persönliche Angaben abgefragt. Wie beim Beratungsgespräch mit einem menschlichen Anlageberater werden Anlageerfahrung ausgelotet, das Anlageziel und die Risikobereitschaft.
  2. Sodann erstellt der Kernsoftware bzw. der Algorithmus ein Angebot für ein Musterportfolio. Die Anlageempfehlungen sind meist ETFs. Diese Indexfonds werden ihrerseits passiv verwaltet (im Gegensatz zum klassischen Investmentfonds) und tragen zur günstigen Kostenstruktur beim Robo-Advisory bei.
  3. Wenn sich der Anleger für das Investment entscheidet, dann gibt es zwei Möglichkeiten, je nach Anbieter: Zum einen ist es möglich das vorgeschlagene Portfolio automatisch verwalten zu lassen; der Anleger hat mit der Steuerung und Verwaltung nichts mehr zu tun. Bei anderen Anbietern wird nur die Zusammensetzung des Portfolios automatisiert; die sich daran anschließende Verwaltung erfolgt durch menschliche Entscheidungen.

Wer sind die Anbieter?

Der Markt für Robo Advice wird überwiegend von neugegründeten Start-Up Unternehmen beherrscht (FinTech). Zu nennen sind hier zum Beispiel Ginmon, Scalable Capital, Vaamo oder Liqid.

Was ist die Idee?

Kostenvorteil: Die Anbieter dieser Art der digitalen Vermögensverwaltung punkten durch transparente und vor allem niedrige Kosten. Der Kostenvorteil liegt auf der Hand, da der programmgestützte Algorithmus die laufenden Entscheidungen trifft und der klassische menschliche Vermögens- und Anlageberater zum ganz großen Teil ersetzt wird. Dieser greift nur noch sporadisch ein.

Know-how Nutzung für Kleinanleger: Die Algorithmen nutzen Know-How, das normalerweise den Großbanken vorbehalten ist. Auf diese Weise kommen auch Kleinanleger in den Genuss des Wissensvorsprungs der etablierten Finanzinstitute.

Was sind die rechtlichen Vorgaben?

Die BaFin und die europäische Aufsichtsbehörden haben sich bereits mit dem Phänomen Robo-Advice beschäftigt. Hierzu hat der Gemeinsame Ausschuss der drei europäischen Aufsichtsbehörden einen umfassenden Bericht vorgelegt. Danach sehen Regulierer keinen unmittelbaren Handlungsbedarf für eine strengere Regulierung bzw. Überwachung.
Der Bericht differenziert beim Robo-Advice zwischen den Branchen Banken, Versicherungen und Investment. Der Bericht sieht hier einen Schwerpunkt des Robo-Advice im Bereich des Investments – also der klassischen Geldanlage.

Hingegen ist der Markt im klassischen Bankensektor und Versicherungssektor noch beruhigter. Welche regulatorischen Vorgaben die Anbieter vom Robo-Advisory zu beachten haben, hängt von dem genauen Geschäftsmodell ab.

Auf dem deutschen Markt gibt es derzeit zwei digitale Vermögensverwalter, die nach dem Gesetz über das Kreditwesen (KWG) als Kreditinstitute eingestuft werden; ansonsten sind die digitalen Vermögensverwalter als Finanzdienstleistungsinstitute einzustufen.

Da diese Institute gewerbsmäßig Bankgeschäfte betreiben bzw. Finanzdienstleistungen erbringen bedürfen sie jedenfalls gem. § 32 KWG der schriftlichen Erlaubnis der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin).