SYLVENSTEIN Rechtsanwälte | Vorfälligkeitsentschädigung: Was ist das?
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Vorfälligkeitsentschädigung: Was ist das?

Vorfälligkeitsentschädigung: Was ist das?

Der sperrige Begriff einer sog. „Vorfälligkeitsentschädigung“ beschäftigt viele Verbraucher, die ihren Kredit vorzeitig ablösen oder zurückzahlen möchten. Dabei bleibt häufig unklar, was eine Vorfälligkeitsentschädigung ist und warum Darlehensnehmer ihrer Bank oder Bausparkasse nur wegen der Beendigung der Vertragsbeziehung eine häufig hohe fünfstellige Summe zahlen sollen.

Vorfälligkeitsentschädigung: Rückzahlung häufig möglich

Die gute Nachricht für Verbraucher vorweg: Eine Vorfälligkeitsentschädigung wird von Banken zwar häufig in Rechnung gestellt, ist aber oftmals gar nicht geschuldet. Wenn Kreditnehmer ihrer Bank zur Beendigung des Darlehensvertrags eine Vorfälligkeitsentschädigung gezahlt haben, können Sie in vielen Fällen deren Rückzahlung verlangen. Das gilt insbesondere in denjenigen Fällen, in denen die Verbraucher den Widerruf ihres Darlehensvertrags erklärt haben (sog. Widerrufs-Joker). Denn dann wird der gesamte Darlehensvertrag nachträglich rückabgewickelt. Die Bank muss dann neben den Tilgungszahlungen des Verbrauchers mit einer Verzinsung von 5 Prozentpunkten über dem jeweiligen Basiszinssatz eben auch eine gezahlte Vorfälligkeitsentschädigung zurückzahlen, während der Verbraucher die ursprünglich erhaltene Darlehenssumme mit einer in der Regel geringeren Verzinsung erstatten muss. Beides wird dann verrechnet und bedeutet häufig eine große Zahlungserleichterung für die betroffenen Verbraucher.

Was genau ist eine Vorfälligkeitsentschädigung?

Um zu verstehen, wann eine Vorfälligkeitsentschädigung geschuldet ist und wann Verbraucher sie nicht zahlen müssen, hilft ein Blick auf den wirtschaftlichen Kontext. Beim Abschluss eines Darlehensvertrages wollen beide Seiten ein gutes Geschäft machen: Die Bank verleiht Gelder, die sie ihrerseits zu einem günstigen Zinssatz von der Zentralbank geliehen hat, zu einem höheren Zinssatz an ihre Kunden weiter. Sie verdient für diese „Organisationsarbeit“ einen Großteil der vom Verbraucher geschuldeten Zinsen. Der Bankkunde zahlt diese Zinsen, weil er Liquidität braucht, etwa um ein Haus, eine Eigentumswohnung oder ein Auto zu finanzieren. Der juristische Grundsatz des pacta sunt servanda (lateinisch für: Verträge muss man einhalten) verpflichtet nun die Bank, die Darlehenssumme nicht vorzeitig zurückzufordern, und den Darlehensnehmer, seine Zinsen bis zum vereinbarten Vertragsende zu bezahlen. Will eine der Parteien vorzeitig aus dem Vertrag ausscheiden, darf sie dadurch der anderen Vertragspartei keine Gewinne nehmen, die sie bei vollständiger Vertragsdurchführung erzielt hätte. So darf die Bank den Verbraucher nicht zur vorzeitigen Darlehensrückzahlung zwingen, denn der Gewinn des Verbrauchers ist die Liquidität, d.h. die Verfügbarkeit der Darlehenssumme, und das darf ihm nicht genommen werden. Anders herum hat sich aber auch die Bank darauf eingestellt, mit dem Vertrag Zinsgewinne zu machen. Will ein Darlehensnehmer den Vertrag vorzeitig beenden, darf er der Bank diese bis zum Ende der eigentlichen Vertragslaufzeit erwarteten Zinsgewinne nicht nehmen und muss sie nach § 502 BGB ersetzen. Genau dieser Ersatz der für die verbleibende Vertragslaufzeit erwarteten Zinsgewinne der Bank ist die Vorfälligkeitsentschädigung. Wenn der Darlehensvertrag Bestand hat, ist die Forderung einer angemessenen Vorfälligkeitsentschädigung berechtigt, wird er aber widerrufen oder sogar angefochten, so fällt auch der Anspruch der Bank auf die Vorfälligkeitsentschädigung weg, und eine bereits gezahlte Entschädigung muss dem Verbraucher zurück erstattet werden.

Berechnung der Vorfälligkeitsentschädigung

Die Höhe einer Vorfälligkeitsentschädigung kann mit online verfügbaren Rechnern gut taxiert werden.

Vorfälligkeitsentschädigung, Widerrufs-Joker, Anschlussfinanzierung, etc.

Hier gelangen Sie zu weiteren Informationen rund um das Thema Widerrufs-Joker, Vorfälligkeitsentschädigung, Anschlussfinanzierung, etc.